Fachschaften: Philosophie

Muss Philosophie wirklich sein?

Der Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Hans Reichenbach fällt folgendes Urteil über die (traditionelle) Philosophie: „Wer den Philosophen um Ratschläge fürs Leben bittet, soll dankbar sein, wenn ihn der Philosoph zum Psychologen oder Sozialwissenschaftler schickt; denn das Wissen, das diese empirischen Wissenschaften angesammelt haben, verspricht viel bessere Antworten, als man in den Werken der Philosophen finden kann.

Vor diesem Hintergrund erscheint das Projekt des Philosophierens als einigermaßen erfolglos und fragwürdig, so dass sich die vielzitierte und üblicherweise ohnehin der Philosophie zugewiesene „Sinnfrage“ auf einer neuen Ebene stellt: Ist es sinnvoll, junge Menschen mit Philosophie zu nötigen und von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens (die sie in allen anderen Schulfächern ja glücklicherweise lernen) abzuhalten?

Philosophieunterricht an der Isarnwohld-Schule

Diese Antwort fällt ausnahmsweise leicht: Ja! Denn der Philosophieunterricht verfolgt das Ziel, junge Menschen zur kritisch begründeten Nachdenklichkeit zu erziehen und ihnen so Orientierung im eigenen Denken und Handeln zu ermöglichen. Im Philosophieunterricht lernt man, grundsätzliche Probleme zu entdecken, die unseren Alltag beherrschen, ohne dass wir dies (immer) bemerken. Diese Probleme werden in Fragen formuliert (z.B. Was ist Freundschaft? Wer bin ich? Wie verlässlich sind unsere Sinne? Brauchen wir Regeln? Darf man lügen? Wie kann ich ein glückliches Leben führen?), die dann gemeinsam geklärt werden. Der weltanschaulich neutrale Philosophieunterricht verfährt dabei nicht normierend, sondern lässt die Lösungsangebote gelten, die sich im vernunftgeleiteten Gedankenaustausch bewähren. Philosophische Fragen und Probleme lassen sich mit gutem Recht als die Fragen und Probleme charakterisieren, die uns Menschen als denkende Wesen unmittelbar angehen, weil sie helfen, uns, unsere Umwelt und unsere Stellung in der Welt besser zu verstehen.

Kompetenzerwerb im Philosophieunterricht

Schüler, die am Philosophieunterricht teilnehmen, lernen

  • genau und folgerichtig zu denken und differenziert zu urteilen
  • selbständig zu denken, d.h.
  • die eigene Erfahrung und das eigene Denken zu thematisieren, vermeintlich Selbstverständliches in Frage zu stellen sowie verschiedene Möglichkeiten im Denken durchzuspielen und so die Grenzen der eigenen Erfahrung auch zu überschreiten
  • Gedanken anderer unvoreingenommen zu begegnen
  • die eigenen Gedanken in der vernunftgeleiteten Auseinandersetzung mit anderen zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren

Lehrpläne